Marcus Heyn
Sexualpädagogik im Kreuzfeuer
Der Sexualkunde-Atlas 1969 und die Kritik an schulischer Aufklärung
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Buchreihe: Angewandte Sexualwissenschaft (ISSN: 2367-2420)
Verlag: Psychosozial-Verlag
563 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm
1. Auflage 2023
ISBN-13: 978-3-8379-3193-8, Bestell-Nr.: 3193
DOI:
https://doi.org/10.30820/9783837978629Der Sexualkunde-Atlas von 1969 war das erste
Aufklärungsbuch für den schulischen Unterricht in der
Bundesrepublik. An ihm entzündete sich ein vielstimmiger und mit
Heftigkeit geführter Diskurs um die Frage nach sexualpädagogischer
Aufklärung. Diese Debatte war von Argumentationsmustern geprägt,
die sich auch in aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen
um Formen und Orte sexueller Bildung zeigen.
Marcus Heyn untersucht den damaligen gesellschaftlichen Diskurs um
sexuelle Bildung und zeigt, wie Akteur:innen und Materialien
kontinuierlich zum Spielball politisch-ideologischer Kämpfe
geraten. Mit seiner diskursanalytischen Untersuchung leistet er
einen Beitrag zur Auseinandersetzung um Aufklärungsmaterialien in
der BRD, der viele charakteristische Details zutage fördert, die es
erlauben, nach Kontinuitäten in den heutigen Auseinandersetzungen
zu fragen.
Inhaltsverzeichnis
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1 Vorspiel
1.1 Sexualpädagogik als Herausforderung
1.1.1 Die Pädagogisierung der Sexualität
1.1.2 Begriffliche Einordnung des sexualpädagogischen Feldes
1.1.3 Die Normierung des sexualpädagogischen Diskurses
1.1.4 Herausforderungen für die Sexualpädagogik
1.1.5 Sexualitätsbegriffe
1.1.6 Kindliche Sexualität
1.1.7 Die Genese von Forschungsfrage und Forschungsdesign
1.2 Sexualität und Sprache im Fokus der Diskursforschung
1.3 Diskursverständnis
1.3.1 Diskurstheoretische Positionierung
1.3.2 Diskursbegriff
1.3.3 Verschränkung von Diskurs- und Dispositivforschung
1.3.4 Die Ordnung der Diskurse
1.3.5 Die Durchsetzung von Bedeutung
1.3.6 Äquivalenz und Differenz
1.4 Medientheoretische Betrachtungen
1.4.1 Öffentlichkeit und Journalismus
1.4.2 Der Begriff der Massenmedien
1.4.3 Die Funktion der Massenmedien
1.4.4 Faktuale Texte als Untersuchungsgegenstand
1.5 Korpusbildung
1.6 Analyseschritte und -instrumente
1.6.1 Einzeltextanalyse
1.6.2 Narrative und argumentative Struktur
1.6.3 Synoptische Analyse
2 Historische Kontextualisierung
2.1 Die Diskursarena: Presse und Printmedien am Ende der 1960er
Jahre
2.1.1 Strukturierung der bundesrepublikanischen
Presselandschaft
2.1.2 Die Medienlandschaft in den »langen 60er Jahren«
2.2 Das Diskursfeld: Die Anfänge bundesrepublikanischer
Aufklärung
2.2.1 Die sexualpolitische Programmatik Strobels
2.2.2 Die KMK-Empfehlungen zur Sexualerziehung in den
Schulen
2.3 Der Corpus Delicti: Diskursanalytische
Einordnung des Sexualkunde-Atlas
2.3.1 Das Layout
2.3.2 Die inhaltliche Konzeption
2.3.3 Textgestaltung und -aussagen
2.3.4 Die Bildsprache
2.3.5 Verortung im öffentlichen Aufklärungsdiskurs der BRD
2.3.6 Die Normalisierung der Autosexualität
2.3.7 Die Ausblendung kindlicher Sexualität
3 Feinanalyse der Printmedien und
Diskursfragmente
3.1 Der Diskurs im Nachrichtenmagazin Der Spiegel
3.1.1 Der institutionelle Rahmen
3.1.2 Reimut Reiche: »Zeugung ist Ordnung« (7. Juli 1969)
3.1.3 o. A.: »Aufklärung/Sexualkunde-Atlas: So einfach« (29.
September 1969)
3.1.4 Die Interpretation des Diskurses im Spiegel
3.2 Der Diskurs in der Frankfurter Rundschau
3.2.1 Der institutionelle Rahmen
3.2.2 Ingeborg Jahn: »Viele Rechenbücher – nur ein Sex-Atlas« (11.
Juni 1969)
3.2.3 Die Interpretation des Diskurses in der FR
3.3 Der Diskurs in der Wochenzeitung Die Zeit
3.3.1 Der institutionelle Rahmen
3.3.2 Marion Schreiber: »Aufklärung ohne Scheu« (20. Juni 1969)
3.3.3 Inga Wex: »Grobe und harte Mittel« (18. Juli 1969)
3.3.4 Erna Stahl: »Eros bleibt auf der Strecke« (18. Juli 1969)
3.3.5 Die Interpretation des Diskurses in der Zeit
3.4 Der Diskurs in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
3.4.1 Der institutionelle Rahmen
3.4.2 Carl Schopen: »Sexualaufklärung für Schüler und
Erziehungsberechtigte« (11. Juni 1969) 189
3.4.3 Helene Rahms: »Wer mag da noch lieben? Sexualkunde in der
Klempner-Sprache« (24. Juni 1969)
3.4.4 Hans Dahs: »Geschlechtserziehung im Parterre« (3. Juli
1969)
3.4.5 o. A.: »Sexualkunde-Atlas. Kritik durch das
Familienministerium« (17. Juli 1969)
3.4.6 Otfried Lieberknecht: »Sollen die Schulen sexuell aufklären?«
(19. Juli 1969)
3.4.7 Die Interpretation des Diskurses in der
FAZ
3.5 Der Diskurs in der Süddeutschen
Zeitung
3.5.1 Institutioneller Rahmen
3.5.2 Jörg Drews: »Der Atlas« (1. Juli 1969)
3.5.3 Die Interpretation des Diskurses in der SZ
3.6 Der Diskurs in der Tageszeitung Die Welt
3.6.1 Institutioneller Rahmen
3.6.2 Bernd Nellessen: »Ein Sexualkunde-Atlas soll den Schülern
alles über Mann und Frau sagen« (14. Juni 1969)
3.6.3 Bernd Nellessen: »Sexualkunde – keine Zoologie« (16. Juni
1969)
3.6.4 Hans Arthur Stieler von Heydekampf: »Der Sexual-Atlas und
seine Folgen« (30. Juni 1969)
3.6.5 Leonhard Stits-Ulriel: »Ein großer Durchbruch« (30. Juni
1969)
3.6.6 Dr. Hans Müller: »Eine jugendgefährdende Schrift?« (30. Juni
1969)
3.6.7 Benedicts von Bitter: »Ethische Mängel« (30. Juni 1969)
3.6.8 Johannes Fischer: »Aufgabe der Eltern« (30. Juni 1969)
3.6.9 K. Philip: »Die juristische Seite« (30. Juni 1969)
3.6.10 Hubert Köppinger, Klaus Limburg, Gottfried Hau, Franz Ebert,
Frank Redder, Klaus Trier: »Das Laster wird zur Norm erhoben« (30.
Juni 1969)
3.6.11 Loise Kerber: »Mit zoologischer Brutalität« (30. Juni
1969)
3.6.12 Horst Rumpf: »Freud wurde von den Verfassern des
Sexual-Atlas nicht gefragt« (2. Juli 1969)
3.6.13 Die Interpretation des Diskurses in der Welt
3.7 Der Diskurs in Bild und Bild am Sonntag
3.7.1 Institutioneller Rahmen
3.7.2 Martin Klaus Keune: »Der Sex-Atlas entzweit die
Ministerinnen« (20. Juli 1969)
3.7.3 H. W. Lenhard, H. Görne, Martin Klaus Keune: »Der Sex-Atlas
wurde über Nacht zum Bestseller – aber seine Kritiker sind sich
einig: Minister Strobel vergaß die Liebe« (3. August 1969)
3.7.4 Die Interpretation des Diskurses in der Bild am
Sonntag
4 Synopse: Analyse und Interpretation des
Mediendiskurses
4.1 Die Stimmen im Diskurs
4.1.1 Geschlecht
4.1.2 Alter
4.1.3 Parteimitgliedschaft
4.1.4 Konfession
4.1.5 Berührungspunkte mit Sexualpädagogik
4.2 Stilistische Textmerkmale
4.2.1 Informationsbetonte Texte
4.2.2 Meinungsbetonte Texte
4.2.3 Textsortenübergreifende Merkmale
4.3 Vermittlungsstrategien
4.3.1 Die Bedeutung der Metapher im Diskurs
4.3.2 Die Prädikation des Gezeigten durch Wortfelder der
Abscheu
4.4 Argumentationsstrategien
4.4.1 Dramatisierung der Narration
4.4.2 Vereinfachungen und Verallgemeinerungen
4.4.3 Die Diffamierung als etablierte
Argumentationsstrategie
4.5 Die Einbettung der Propositionen in Topoi, Narrative und
Diskurse
4.5.1 Kritik am Sexualkunde-Atlas als Ausdruck des
Streites um die Natur des Sex
4.5.2 Die agonalen Zentren im Diskurs
4.5.3 Die fortgesetzte Entsexualisierung des Kindes
4.5.4 Die diskursive (Re-)Produktion der sexuell gefährdeten
Kindheit und Jugend
4.5.5 Relikte des Anti-Onanie-Diskurses
5 Nachspiel
5.1 Rückblick: Das öffentliche Streiten um den
Sexualkunde-Atlas 1969
5.1.1 Die Performativität des Diskurses
5.1.2 Die Verschränkung des Mediendiskurses mit weiteren
Diskurssträngen
5.1.3 Der Sexualkunde-Atlas als bevölkerungspolitisches
Projekt
5.2 Weitblick: Nachfolgende Auseinandersetzungen um
Aufklärungsmaterialien
5.2.1 Zwischen Liberalisierung und sexueller Panik – der
Diskurs um Muß-Ehen muß es nicht geben
5.2.2 Sexualpolitik der »Konservativen Wende« – der Diskurs um
betrifft: sexualität
5.2.3 Der Diskurs um Let’s talk about Sex in der
HIV-Krise
5.3 Ausblick: Die ständige Sorge um die bedrohte Nation
5.3.1 Das Hofieren rechter Kulturkritik im Diskurs um
Körper, Liebe, Doktorspiele
5.3.2 Re-Normierung von Sexualität im Diskurs um
Sexualpädagogik der Vielfalt
5.3.3 Anregungen zum Schluss
Literatur
Anhang: Einzeltexte des konkreten Korpus
Rezensionen
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Socialnet.de am 6. November 2023
Rezension von Uwe Sielert
»Die Studie von Marcus Heyn kann als Meilenstein in der medien- und sexualpädagogischen Diskursforschung bezeichnet werden. Sie kontextualisiert den Sexualkunde-Atlas von 1969 in der damaligen sexualpolitischen Auseinandersetzung und kann als methodologisch anspruchsvolles Beispiel für weitere Analysen der gesellschaftlichen Resonanz sexualpädagogischer Materialien in der Öffentlichkeit dienen…«